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Geschichte des Schlosses Thürnthal

 

THÜRNTHAL: Gemeinde Fels am Wagram. Polit. Bez. Tulln, Weinbauort, ehemalige Gutssiedlung am Südhang des Wagrams, westlich von Kirchberg.
Frühbronzezeitliche und urnenfelderzeitliche Funde. Urkundlich 1230.
2 Kellerzeilen, im Norden und an der Wiener Straße Kellerbauten, z. T. 18. und 19. Jhdrt., einer mit Volutengiebel, einige mit aufgedoppelten Toren.

S CHLOSS THÜRNTHAL – Die „Hofburg Niederösterreichs“:

Schon im 13. Jh. Erwähnung eines Conrad von Turrenthal und einer burgartigen Festung „Veste Dürrenthal“.
1575 unter Hartmann von Trautmannsdorf umgebaut zum Renaissanceschloss,
1579 Reichard Streun von Schwarzenau (Luthers Lehre),
1581 Anton Freiherr von Puechheim,
1590 Raimund Straub,
1607 H. A. Freiherr von Stadl,
1657 J. F. Freiherr von Lamberg,
1659 Christoph Dietrich Freiherr von Schallenberg,
1677 Christoph Ludwig Graf Schallenberg
1682 Johann Baptist Edler von Gariboldi,
1689 Johann Ignaz Edler von Gariboldi,
1698 Graf Wenzel Adrian Wilhelm Graf von Enckevoirt (Kaiserl. Kämmerer, Viertelskommissär und Herrenstands-Verordneter besaß auch Grafenegg, Neuaigen, u.a.):
Nach Brand 1679 um 1725 barocker Umbau nach Plänen von Josef Emanuel Fischer von Erlach („Barock-Klassizismus“).
1738 Maria Josepha Enckevoirt,
1753 Wenzel Adrian Edler von Retzer,
1761 Maria Katharina von Stettner,
1777 Stanislaus Edler von Stettner,
1812 Johann Ritter von Stettner,
1867 Eleonora Freiin von Thavonat und Marie Wolter von Eckwehr,
1868 Eleonora Freiin von Thavonat,
1868 Josef Bächle,
1869 Berthold Stadler.
Seit Auflösung der Herrschaft für Wirtschaftszwecke genutzt:
1870 Thürnthaler Zuckerfabrik AG.
1876 Prager Maschinenbau-AG,
1881 Karl (teilweise als Baron bezeichnet) und Emma Eißler,
1884 Stärkefabrik,
später Seifenfabrik.
1910 Dr. Guido Bunzel (auf Abbruch gekauft),
1939 unter Denkmalschutz gestellt und unter deutscher Verwaltung: Bedeutendster „Luftschutzbergungsort und Kunstdepot“ NÖ´s während des 2. Weltkrieges (Teile der Sammlungen Rothschild, Bondy, Lanckoronski, Gutmann, Lederer, Aktion „Berta“, Kunstschätze aus Wien/Michaelerkirche, Palais Auersperg und Inst. f. Denkmalpflege, Dom zu Wr. Neustadt, Beethovenfries von Gustav Klimt, Makart, Schindler u.v.a.m.)
1946 Gutsbetrieb
1950 Restitution an E. Barber, geb. Bunzel,
„Kultura“-Landwirtsch.Ges. Linz, vormals "Fundus HandelsgmbH"
Fa. Frank & Kathreiner, Fa. Nestle),
1975 Helmut Schick & Co. KG, GF Erwin Stauber
1998 Mag. DI Gerhard Zehethofer.

 

 

Derzeit in optisch schlechtem Zustand. Seit 1998 in Restaurierung, erstmals öffentlich zugänglich, zahlreiche Kulturveranstaltungen. Unvergesslich tolle, dekadent-morbide Atmosphäre.

Von teilweise erhaltenem Wehrgraben (bis 1998 Wildschweinhaltung) sowie ehemaligem ausgedehntem Park und Wirtschaftsgebäuden umgeben.
Derzeit gehören zum Schloss nur mehr 8000 m2 Schlosspark mit Altbaumbestand und barockem Becken in der Mitte, ohne Wasser (ehem. ca. 10 m hohe Fontäne).

Außenbau.
Symmetrische Anlage um annähernd quadratischem Innenhof. 4-geschossig mit 9-achsigen Fassaden, jeweils durch einen flachen, 3-achsigen Mittelrisalit betont. – Hauptfassade im Osten über Steinbrücke (früher Zugbrücke, 2 Sphingen 1912/13 verkauft) zugänglich, der Mittelrisalit mit hohem Rundbogenportal von entsprechenden Fenstern flankiert und ehem. mit besonders sehenswerten Gittern versehen; die beiden Obergeschosse durch Riesenordnung aus korinthischen Säulen mit figuren- und wappenbekröntem Gebälk über leicht vorkragendem, von paarigen Volutenkonsolen getragenem Balkon, schmiedeeisernes Balkongitter um 1780; Loggia mit hohen (nach 1940 vermauerten) Rundbogenöffnungen mit Wappen Wenzels von Enkevoirt und Gemahlin, darüber Ovalfenster. Wappenkartuschen über dem mittleren Bogen.

An den Seitenachsen sowie an den übrigen Fronten Gliederung durch Kordongesimse; stuckierte, überwiegend jedoch Sandstein-Fensterumrahmungen, im Erdgeschoß mit Schmiedeeisengitter. An der Südseite Altane mit Gartentreppe und frühklassizistischer Steinbrüstung. – Hofseitig konkave Ecklösungen mit Treppenhausportalen,
   
    Zeichnung von Prof. J. Tobner  
     
Prof. J. Tobner
   
die beiden Untergeschosse genutet, gleiche Gliederung wie an den Außenfassaden. 2 historische Senkgruben (1999 begehbar gemacht). Offene Eingangshalle mit Rundbogenarkaden, 3-schiffig platzlgewölbt mit Bandlwerkstuck, in den seitl. Nischen ehem. barocke Figuren (Lorenzo Mattielli).

Max Reinhardt kaufte 1919 viele Sandsteinfiguren aus dem Schloßpark und verbrachte sie in sein Theater in Leopoldskron (Sbg.) von dort wurden sie 1944 nach Schloß Klesheim (Sbg.) gebracht wo sie zum Teil heute noch zu bewundern sind. Schmiedeeiserne Torlunette ehem. im Heimatmuseum Tulln, später im Schloß Fridau. Rückgabe durch die NÖ Landesregierung erfolgte im Herbst 1999. Viele Figuren trotz Denkmalschutz (seit 1939) verschwunden.

Kapelle

gegenüber der Eingangshalle, Rechteckportal mit spitzgiebeliger Verdachung, im Giebelfeld Auge Gottes von Engelköpfen umgeben. Innenraum annähernd quadratisch, ehem. 3-geschossig, seit dem 19. Jh. durch eine eingezogene Decke in Höhe des Emporenniveaus in 2 Etagen unterteilt, an der Westseite durch 2 Fenster belichtet. Im Osten Marmorsäulen (ehem. die Empore tragend). Im Norden und Süden je ein marmorgerahmtes Segmentbogenportal (vermauert). Im Obergeschoß Klostergewölbe; frühklassizistische Emporenbrüstung aus Marmor; seitlich große Blendöffnungen in Marmorrahmung, achsengleich mit den Portalen. Frühklassizistische Ausstattung, um 1765.

Auf einem umlaufenden Podest 3 Altäre; Hochaltar im Westen, barocker Wandaltar mit Altarblatt Mariae Verkündigung, Kopie nach Franz Anton Maulbertsch (Original um 1766/67, seit 1953 in der österreichischen Galerie, Wien im Archiv untergebracht). Sarkophagförmiger Altartisch mit beckenförmigem Aufsatz und Strahlenkranz; seitlich Engelfiguren. An der Nord- und Süd-Wand Seitenaltäre mit Marmormensen, links ehem. Altarblatt hl. Johannes der Täufer; rechts ehem. hl. Bartholomäus, beide 3. Viertel 18. Jh. ( Die barocken Engelfiguren sowie die beiden wertvollen der Seitenaltargemälde italienischer Barockmeister wurden vor 1998 aus der Schlosskapelle entfernt).

Innenbau:
In den übrigen (z. T. stark devastierten) Räumen besonders bemerkenswerte (auf über 1500 m2) reiche Stuckausstattung um 1725, die Santino Bussi zugeschrieben wird. Deckenspiegel mit mythologischen und allegorischen Szenen, von Rankenwerk umgeben, reich dekorierte spätbarocke Kachelöfen verkauft und zerstört, zwei befinden sich beschädigt bei einem Restaurator. Schöner Stiegenaufgang ab 1. Obergeschoß („Herrschaftsstiege“) mit feinem Kunstschmiedeeisengitter.

Ehemaliger Festsaal als „original barocke Baustelle“ erhalten.

Nicht mehr zum Schloss gehören 2 barocke Wirtschaftsgebäude, an der O-Seite des Schloßparkes. Das südliche mit Satteldach, von Vasen bekrönt; barocke Fensterumrahmungen; das nördliche durch Zubau 2. Hälfte 20. Jh. erweitert; barocke Dachhäuschen mit Voluten. Schloßtaverne, Nr. 18, ehem. „Fruchthaus“. 2geschossiger Bau mit Schopfwalmdach und Zwerchgiebel, 1. Hälfte 20. Jh., Fassade erneuert.
Mariensäule, südwestl. des Schlosses; Figurengruppe Marienkrönung mit Hl. Dreifaltigkeit auf hoher Säule mit Volutenkapitell, wappengeschmücktes Postament, 1. Hälfte 18. Jh.



Das Schloss zählt zu den bedeutendsten Barockbauwerken Österreichs, insbesondere des Barock-Klassizismus. Es bietet eine unvergleichliche und unverfälschte Atmosphäre auf einem historischen Kraftplatz und einen ungeheuren Idealismus der derzeitigen Eigentümer mit sehr empfehlenswerten kulturellen Veranstaltungen.



Informationen unter: Schloss Thürnthal, A-3481 Fels/Wagram
Tel.: 0699/143 012 07
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
http://www.schlossthuernthal.at
 
 
 
 
 
 
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  Schloss Thürnthal
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(bei Tulln): Joseph Emanuel Fischer von Erlach erbaute das wahrscheinlich wertvollste Landschloss des Barock-Klassizismus in Österreich (siehe Geschichte - und neu: Adventmarkt-History).

 
  
Nach langen Jahren der Brache wird das Schloss nun als Ort für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Ausstellungen, Konzerte, Seminare, Adventmärkte und viele weitere großartige Events genutzt (siehe auch: Aktuelles). Im März: Ostermarkt im Schloss - im April: Walpurgisnacht/Beltane - ab Mai: Hochzeit im Schloss - im August: Märchensommer - im Oktober: Lange Nacht der Museen - im November: Advent-/Kunsthandwerksmarkt im Schloss! (Verwandte Seiten: Links)